29. Januar 2009

Gehirn, Spiegelneuronen & Autismus

1. Einleitung
2. Bau und Funktion des Gehirns
2.1 Allgemein
2.2 Bestandteile und ihre Funktion
3. Neue Neurone im Gehirn und ihre ungewöhnlichen Eigenschaften
3.1 Geschichte der Spiegelneurone
3.2 Lage und Funktion der Spiegelneurone im Gehirn
3.3 besondere Eigenschaften von Spiegelneuronen und ihre Folgen
4. Autismus und Spiegelneurone
4.1 Autismus allgemein
4.2 Autismus bedingt durch fehlende Spiegelneurone?
4.3 Spiegelneurone und My-Wellen
4.4 Therapieansätze basierend auf der Spiegelneuronen Theorie
5. Schlussteil
6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In dieser Facharbeit werde ich mich auf den folgenden Seiten sowohl mit Spiegelneuronen im einzelnen, als auch mit Autismus im Zusammenhang mit Spiegelneuronen befassen.
Ich wählte dieses Thema aufgrund von sehr interessanten und informativen Artikeln in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitungen, welche sich auch später noch als gute Quellen herausstellten. Gerade die Aktualität und die immer neuen Möglichkeiten, welche die Forschung auf diesem Gebiet der Wissenschaft eröffnet, reizte mich dieses Thema für meine Facharbeit auszuwählen. Und dies Obwohl ich eigentlich zuvor ein anderes Thema für die Facharbeit in die engere Wahl gezogen hatte.
Um einen möglichst guten Einblick in dieses Thema zu gewährleisten, befasse ich mich zunächst einmal mit den grundlegenden Bau- und Funktionseigenschaften des Gehirns. Davon erhoffe ich mir, es für jedermann verständlich machen zu können.

2.Bau und Funktion des Gehirns

2.1 Allgemein:
Das menschliche Gehirn besteht zu ca. 80% aus Wasser, die weiteren 20% bestehen überwiegend aus fettähnlichen Substanzen sowie Eiweißverbindungen. Damit bringt das Gehirn eines ausgewachsenen Menschen um die 1300g auf die Waage.1
Um ein schnelles Verbindungssystem von Nervenfasern im Rückenmark sowie im Großhirn zu ermöglichen, bilden Gliazellen eine schnell leitende Hülle um die Axone von Neuronen. Diese nennt man auch Myelinscheiden. Sie bestehen zu 80% aus Lipiden und zu 20% aus Proteinen, was die Bedeutung von Lipiden im menschlichen Gehirn unterstreicht. In jedem menschlichen Gehirn befinden sich zwischen 30 und 100 Milliarden Neuronen. Die eben genannten Gliazellen erfüllen des weiteren eine Stütz, Schutz- und Ernährungsfunktion für Nervenzellen.2
2.2 Bestandteile und ihre Funktion:
Am menschlichen Gehirn lassen sich insgesamt fünf Abschnitte unterscheiden:
1. Das Endhirn (Telencephalon), besser bekannt als Großhirn, ist in zwei Hemisphären (Hälften) eingeteilt, welche mittels des Balkens in Verbindung stehen. Durch Auffaltungen und Furchenbildung bildet die Großhirnrinde
3eine verhältnismäßig große Oberfläche.4
Die linke Hemisphäre ist überwiegend bei analytischen Denkprozessen aktiv, die rechte bei kreativen Denkprozessen.5
Grundsätzlich übernimmt das Großhirn Prozesse des bewussten Denkens, und damit auch die Verarbeitung von eintreffenden Informationen aus den Sinnesorganen. Dabei lassen sich verschiedene Aktionen an verschiedenen Stellen des Großhirns lokalisieren. So übernehmen die sogenannten sensorischen Felder sowohl die Aufgabe der Aufnahme von Sinnesinformationen, als auch deren bewusste Auswertung. Von den motorischen Feldern aus werden unsere Bewegungsabläufe gesteuert. Mehrere Informationen werden in den Assoziations­feldern
verknüpft.
Innerhalb dieser Felder lassen sich verschiedene Aktionen an verschiedenen (sogenannten) Lappen lokalisieren. Das Sehzentrum befindet sich somit beispielsweise im Okzipitallappen, und das Hörzentrum im Temporallappen. Natürlich arbeitet insgesamt aber alles miteinander.
2. Das Zwischenhirn. Dieses filtert unbewusst den Informationsfluss eingehender Sinnesinformationen. Damit wird einer Überlastung des Großhirns vorgebeugt. Diese Aufgabe wird vom Thalamus übernommen.4 Über den Hypothalamus nimmt das Zwischenhirn Einfluss auf die Regulierung von verschiedenen Körperfunktionen, wie beispielsweise die der Körpertemperatur.6 Gefühle wie Angst, Wut aber auch Freude haben ebenso ihren Ursprung im Zwischenhirn. Grundsätzlich laufen über das Zwischenhirn genetisch vorgegebene Programme ab. Beispielsweise bei einem Huhn wird durch die Lokalisierung eines Bodenfeindes ein bestimmtes Schutzprogramm in Form von picken aktiviert.
3. Das Mittelhirn. Dieses ist ähnlich dem Rückenmark aufgebaut. Es steht in Verbindung mit anderen Gehirnteilen, und kontrolliert lebenswichtige Körperfunktionen wie Reflexe (z.B. husten, wenn etwas in die Luftröhre gelangt).
4. Das sogenannte Kleinhirn verarbeitet motorische Informationen so, dass wir in der Lage sind, kontrollierte und koordinierte Bewegungen zu machen. Zudem verarbeitet es Informationen aus dem Innenohr zur Lagebestimmung.
5. Im Nachhirn, welches aus einer Verlängerung des Rückenmarks besteht, werden grundlegende Dinge wie beispielsweise Lungenaktivität , der Herzschlag , aber auch wie schon im Mittelhirn Reflexe, kontrolliert.1

3.Neue Neurone im Gehirn gefunden

3.1 Geschichte der Spiegelneurone
Die Geschichte der Spiegelneurone hat ihren Anfang in einem bloßen Zufall dreier Neurophysiologen (Giacomo Rizzolatti, Vittorio Gallese und Leonardo Fogassi ). Zu Beginn der 1990er Jahre untersuchen diese im norditalienischen Parma, wie in einem Säugetiergehirn ein Bewegungsplan erstellt wird. Dazu massen sie die verschiedenen Aktivitäten von Nervenzellen bei einem Makakenäffchengehirn. Während, beziehungsweise kurz bevor, dieses nach Nahrung wie Obst greift, zeigten einige Elektroden, die zuvor in den Bereich des Gehirns, welches für die Planung und den Beginn einer Handlung zuständig ist (untere teil des prägmotorischen Cortex/F5), eine erhöhte Aktivität an.
Nun geschah es, dass einer der Neurophysiologen (Leonardo Fogassi) in Verbindung mit bevorstehenden weiteren Messungen selbst nach dem Obst griff. Obwohl das Äffchen selbst keine aktive Handlung ausführte, schlugt das Messgerät aus. Alleine dadurch, dass das Makakenäffchen den Forscher beobachtete zeigte der Teil des Gehirns, welcher für gewöhnlich eigene Handlungen plant und anstößt, erhöhte Aktivität!
Diese Entdeckung legt den Schluss nahe, dass endlich Nervenzellen gefunden wurden, die eine lang vermutete Verbindung zwischen Beobachtungen und nachahmenden Handlungen bestätigt.
3.2 Lage und Funktion der Spiegelneurone im Gehirn
Erstmals wurden Spiegelneurone in der Großhirnrinde, genauer gesagt im prämotorischen Cortex, bei Makakenäffchen festgestellt. Der prämotorische Cortex ist, wie die Übersetzung Prä= vor, motorisch= Bewegung und Cortex= Großhirnrinde zeigt, geografisch gesehen vor dem motorischen Zentrum auf der Großhirnrinde zu l lokalisieren. Um zu erklären wieso, die Spiegelneurone genau an dieser Stelle im 7 Gehirn zu finden sind, möchte ich erst einmal das Zusammenspiel von motorischem und prämotorischem Zentrum anhand eines Beispiels erläutern:
Wenn man feststellen möchte, ob eine Herdplatte bereits warm genug ist um die Pfanne aufzusetzen. Nun erstellt das motorisches Zentrum einem Plan nachdem wir dem Arm über die Herdplatte ausstrecken. Da die Herdplatte schon warm ist, nehmen unsere Finger, die sich Richtung Herdplatte bewegen erhöhte Wärme war. Diese Sinnesinformation (es wird wärmer je näher ich an die Platte komme) wird vom prämotorischen Zentrum aufgenommen und so verarbeitet, dass wir unsere Hand nur noch langsam nähern bzw. die Bewegung ganz zum Erliegen kommt. Damit wird eine aktuelle Sinnesinformation durch das prämotorische Zentrum in eine vom motorischen Zentrum angeleitete Aktion eingefügt.
Mit diesem Hintergrund wird klar, dass es nur logisch ist, dass Spiegelneuronen in eben diesem (prämotorische Zentrum) anzutreffen sind. Denn nur so können sie ihre Funktion des Nachahmens erfüllen.
Nur wenn sie in Bereichen des Gehirns liegen, welche ebenso für eigene Bewegungsabläufe zuständig sind, ist zu erklären, dass durch ihre Aktivität bei bloßer Beobachtung nachahmende Handlungen die Folge sein können. Ebenso ist so die Vermutung vieler Wissenschaftler zu erklären, dass uns Spiegelneurone erlauben, fremde Absichten nachzuvollziehen.8
3.3 Eigenarten von Spiegelneuronen und ihre Folgen
Allerdings bedeutet dies nicht, dass Spiegelneuronen ausschließlich im prämotorischem Cortex vorhanden sind. Im Gegenteil, sie wurden weit verteilt in beiden Hirnhälften gefunden, was darauf schließen lässt, dass sie auch in anderen Hirnarealen wichtige Assoziationsaufgaben übernehmen.
Durch weitere Versuche fanden Forscher heraus, dass manche Spiegelneurone im Gehirn eines Makakenäffchens schon aktiv werden, sobald nur Geräusche wahrgenommen werden (knacken einer Nuss). Diese Neuronen werden als audiovisuelle Spiegelneuronen bezeichnet.
In einem Versuch, sieht der Makake erst wie jemand nach einem für ihn begehrenswerten Leckerbissen greift und an sich nimmt. Die Spieglelneurone sind jetzt voll aktiv.
Dann greift jemand ein zweites mal nach dem Objekt , die weitere Handlung ist aber durch einen Sichtschirm für den Makaken verdeckt. Dennoch ist die Hälfte der Spiegelneurone im prämotorischen Cortex (F5) aktiv.
Findet der gleiche Versuch nur mit einem für den Makaken nicht begehrenswerten Objekt , oder sogar mit nichts, statt (Griff ins Leere) wird keine Reaktion der Spiegelneuronen gemessen.
Daraus folgern Forscher, dass Spiegelneurone, wie sie schon von Anfang an vermuteten, für das Begreifen von Verhaltensweisen zuständig sind. Ob wir dann durch das Begreifen mittels Spiegelzellen auch tatsächlich nachahmende Verhaltensweisen an den Tag legen können, bleibt ungeklärt.9

4. Siegelneurone und Autismus

4.1 Autismus Allegemein
Autismus ist im allgemeinen eine unheilbare Krankheit deren Hauptmerkmale fehlende soziale Kompetenzen und fehlendes Einfühlungsvermögen sind. Dabei sind die eben genannten Auffälligkeiten abgestuft , und reichen von kaum ausgeprägt, eher schüchtern wirkenden Persönlichkeiten bis hin zu Persönlichkeiten, welche aufgrund von fehlenden Eigenschaften für soziale Interaktionen, kaum dazu in der Lage sind einem normalen Gespräch zu folgen, geschweige denn Blickkontakt zu halten.10
4.2 Autismus bedingt durch Fehlfunktion von Spiegelneuronen?
Seit langem versuchen Forscher herauszufinden welche Ursachen Autismus hat. Dabei lassen sich psychologische und anatomische Erklärungsansätze unterscheiden. Durch Forschungen fand man heraus, dass das Kleinhirn abnormal arbeitet. Somit könnte man zu dem Schluss kommen, dass eine Abnormalität im Kleinhirn die Ursache für die typisch autistischen Verhaltensweisen sind.
Vergleicht man allerdings die Symptomatik von Patienten welche auf andere Weise eine Schädigung des Kleinhirns bekommen haben(z.b. Schlaganfall), mit der von Autisten, so fällt auf, dass beispielsweise ein Schlaganfall-Patient keinerlei für Autismus charakteristischen Symptome zeigt.
Eine Erklärung dafür könnte die Theorie von Uta Frith und Simon Baron-Cohen geben. Nach ihrer Theorie liegt der Knackpunkt bei Autismus in den Spiegelneuronen.
Wie oben bereits beschrieben sind Spiegelneurone nicht nur bei aktiven selbstständigen Handlungen aktiv, sondern auch bei der bloßen Beobachtung. Aller Vorraussicht nach ermöglichen uns auf diese Weise die Spiegelneuronen, dass wir uns durch eine Art gedankliche Simulation in andere Menschen hineinversetzen können. Forscher nennen diese Fähigkeit des Hineinversetzens eine theory of mind erstellen. Kann ein Mensch also keine theory of mind konstruieren, wäre eine naheliegende Schlussfolgerung, dass die Ursache dafür bei einem Fehler in den Spiegelneuronen liegt.

Scheinbar sorgen Spiegelneurone dafür, dass wir eine theory of mind konstruieren können, genau die Funktionen welche bei Autisten gestört sind. Somit wäre die Fehlfunktion von Spiegelneuronen eine mögliche und logische Erklärung für das Krankheitsbild von Autisten.
4.3 My- Wellen
Um die Theorie, dass eine Fehlfunktion von Spiegelneuronen die Hauptursache für Autismus ist zu untermauern bedienten sich die Forscher der My- wellen Unterdrückung.
Durch äußere Messfühler werden die Hirnwellen von Versuchskindern mit Autismus und ohne Autismus über ein Elektroenzephalogramm(EEG) aufgezeichnet. Die My-Wellen sind eine Komponente des EEG und werden durch Muskelbewegungen des Probanten unterdrückt.
Bei einem nicht autistischen Kind stellte man sowohl wenn es selbst seine Hand bewegte (willkürliche Muskelbewegung), als auch wenn es nur dieselbe Bewegung auf einem Bildschirm zu sehen bekommt, eine deutliche My-Wellen Unterdrückung fest.
Bei Kindern mit Autismus fand eine deutliche My- Wellenunterdrückung nur bei der eigenen Bewegung, nicht aber bei einer auf dem Bildschirm gezeigten statt.
Fazit: Dieser Versuch, sowie noch weitere unabhängige Versuche welche zu dem gleichen Ergebnis kommen, scheinen die Theorie, dass eine Fehlfunktion von Spiegelneuronen Schuld ist, zu bestätigen. Diese Ergebnisse ermöglichen schnellere Diagnosetechniken beispielsweise über die My-Wellen Methode. Damit könnten die Symptome von Autismus schon bei Kleinkindern festgestellt, und daraufhin mittels Verhaltenstherapie therapiert werden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Verhaltenstherapie meist mehr Erfolge zeigt, je früher man damit beginnt.
4.4 Therapieansätze basierend auf der Spiegelneuronen Theorie
Basierend auf den Forschungen rund um Spiegelneurone könnte man durch Biofeedback versuchen, die Symptome von Autismus wenigstens zu lindern.
Bei dieser Methode würde man die My-Wellen eines autistischen Kindes auf einen für das Kind sichtbaren Monitor leiten. Sofern die Funktion der Spiegelneuronen nicht ganz verloren ist, könnte das Kind lernen die My-Wellen auf dem Bildschirm wieder zum richtigen Zeitpunkt zu unterdrücken.
Ein weiterer Therapieansatz geht davon aus, dass das Fehlverhalten der Spiegelneurone auf einem chemischen Ungleichgewicht basiert. Dabei denkt man , dass verstärkende Neuromodulatoren (verstärken die Aktivität der Spiegelneurone), welche bei gesunden Menschen Emotionen hervorrufen, bei Autisten nur mangelhaft vorhanden sind, wodurch ein fehlendes Einfühlungsvermögen resultiert. Würde man nun den Kindern einen Stoff zuführen welcher, stimulierend auf die Spiegelneurone wirkt, könnte dies die Symptome lindern. Ein Ansatz für ein solches Medikament ist Ecstasy (MDMA).
Dabei sind die genannten Therapieansätze bestenfalls vielversprechende Ansätze, welche zwar die Verhaltenstherapie ergänzen könnten, nicht aber ersetzen.11

5. Schlussbemerkung

Alles in Allem komme ich zu dem Schluss, dass das Fachgebiet Spiegelneurone ein sehr großes Thema ist, welches viel Raum für weitere Forschungen gibt.
Insbesondere Therapiemöglichkeiten für Krankheiten wie Autismus, aber auch andere krankhafte Schäden an Spiegelneuronen (beispielsweise durch Schlaganfälle) werden in Zukunft weiterentwickelt und mehr und mehr eine wichtige Rolle für die Betroffenen einnehmen. Schon heute geben Spiegelneurone eine Erklärung für viele bislang unerklärbare Dinge wie Mitgefühl. So ist davon auszugehen, dass viele ihrer Funktionen noch unentdeckt sind, und noch einige für uns Menschen wichtige und nutzbare Erkenntnisse bereithalten.
6. Literaturverzeichnis
Schriftliche Quellen
Internet Quellen
Biologie Pocket Teacher ABI,
Dr. Walter Kleesattel,
Cornelsen Verlag, 2000 Berlin

http://www.buerlecithin.de/images/layout/rechtsgrafik/gehirn.jpg

Der blinde Spiegel Autismus ,
Vilayanur S. Ramachandran und Lindsay M. Oberman,
Spektrum der Wissenschaft, April 2007

http://hubert-brune.de/grafiken/gehirn_grosshirn_felder.jpg

Fit Fürs abi Biologie Wissen,
Michael Walory und Karlheinz Uhlenbrock,
Schroedel Verlag, 2006 Braunschweig

http://www.merian.fr.bw.schule.de/Beck/Skripten/12/bs12-41.htm

Spiegel im Gehirn ,
Giacomo Rizzolatti, Leonardo Fogassi und Vittorio Gallese,
Spektrum der Wissenschaft, März 2007

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

Spiegelneurone
Katjy Gaschler
Gehirn&Geist, 10/2006

http://de.wikipedia.org/wiki/Hypothalamus

Kommunikation

1. Was ist Kommunikation?

Das Wort Kommunikation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Unterredung“. Im Allgemeinen ist die Kommunikation ein Prozess des Zeichenaustausches zwischen lebenden Organismen, aber auch in der Technik.
Bei der menschlichen Kommunikation spricht man von einem wechselseitigen Prozess der Bedeutungsvermittlung. Dieser Prozess findet unmittelbar oder durch eine Zwischenschaltung statt. Eine Zwischenschaltung kann zum Beispiel ein Telefon sein oder ein allgemeines Massenmediums.

Der Kommunikationsprozess erfolgt vom Sender zum Empfänger. Die Nachricht, die dabei übermittelt wird, wird vor ihrem Versenden verschlüsselt und von Empfänger wieder entschlüsselt. Dies bedeutet soviel wie, dass die Deutung einer Nachricht, beeinflusst durch Körpersprache, Mimik, Gestik, Sprache und Ton des Senders, vom Empfänger möglichst genau vorgenommen werden muss, damit die Kommunikation funktioniert.

2. Kommunikationsmodelle

2.1. Was sind Modelle?

Im Allgemeinen ist ein Modell die verkleinerte, bzw. vereinfachte Darstellung eines Gegenstandes, oder eines Prozesses. Ein Modell dient dazu, einen Sachverhalt besser darstellen, erklären und verstehen zu können.

Genauer betrachtet ist ein Modell der Versuch, die komplexe Realität verständlich zu machen und zu vereinfachen. Ein Modell ist also die Abstraktion und Beschreibung der Wirklichkeit, oder eines Teils davon. Modelle können deswegen nur einen kleinen und zwecksgerichteten Bereich darstellen.

2.2. Was sind Kommunikationsmodelle?

Kommunikationsmodelle oder auch Kommunikationstheorien sind die vereinfachte Darstellung des zwischenmenschlichen Kommunikationsprozess. Sie versuchen zu veranschaulichen, was Kommunikation ist und wie sie funktioniert. Rein theoretisch müsste es möglich sein, nach bestimmten Regeln das perfekte Gespräch zu führen. Um dies zu erreichen, forschen die Kommunikationswissenschaftler und erweitern die Auswahl an Kommunikationsmodellen stetig. Allerdings ist es bis heute nicht gelungen eine einheitliche Theorie zu entwickeln.

2.3. Grundbegriffe für Kommunikation und Kommunikationsmodell

Der Sender ist die Quelle der Informationen. Er sendet mit Hilfe seiner Sprache, Gestik, Mimik, Ton eine verschlüsselte Nachricht an den Empfänger.

Adressat der verschlüsselten Information ist der Empfänger, dieser muss diese entschlüsseln bzw. deuten.

Der Code ist die Art und Weise der Darstellung, der Nachricht. Man unterscheidet Druck-, Bild- und Toncode. Außerdem zeichnet sich der Code je nach Sprache, Sprachschicht und Zeichenvorrat aus.

Über den Kanal, worunter man Sprachwellen oder die Schrift versteht, gelangen die Nachricht vom Sender zum Empfänger.

Der Inhalt einer Nachricht ist in einer bestimmten Situation entstanden und so benötigt der Empfänger den Kontext, das situationale Bestimmungsmoment, zum Verstehen der Nachricht.

2.4. Die Lasswell-Formel

2.4.1. Harold Dwight Lasswell

Der ehemalige US- Politikwissenschaftler und Kommunikationstheoretiker ist am 13. Februar 1902 geboren, er wurde 76 Jahre. Sein Todestag ist der 18. Dezember 1978.

Während seines Studiums an der Universität von Chicago wurden seine Arbeiten von dem Pragmatismus von John Dewey und George Herbert Mead beeinflusst. Auch im weiteren Verlauf seiner Forschungen und Arbeiten hatte dies einen wichtigen Einfluss. Eine noch weit größere Bedeutung für seine Arbeiten hatte die Philosophie Freuds.
Im Zweiten Weltkrieg war er Leiter der Abteilung für die Study of War Time Communications“ in der Bibliothek des amerikanischen Kongresses.

Als Mitglied der einflussreichen Chicago School innerhalb der Soziologie, war er auch Mitbegründer des streng individualistischen Forschungsansatzes des Behavioralismus.

1948 formulierte er nach einigen Forschungen eine umgängliche Formel, die Lasswell- Formel, die er als Modell für die Massenkommunikation darstellte. Auf diesem Modell lässt sich das Lern- und Forschungsfeld der Kommunikationswissenschaft aufbauen.

2.4.2. Die Lasswell-Formel

Harold Dwight Lasswell entwickelte seine Formel 1948. Der genaue Wortlaut der Formel ist:
Who says What in Which Channel to Whom with What Effect, Wer sagt was über welchen Kanal zu wem mit welchem Effekt.
Im Allgemeinen besagt sie, dass die gesendete Nachricht beim Empfänger ohne weitere Probleme ankommen müsste.

1946 bis 1959 prägte diese Formel die Medienwirkungsforschung. Die Formel gibt dem Betrachter einen gewissen Freiraum, da er zwischen den Medien der Kommunikation und auch deren Aussage frei wählen kann. Lasswell betrachtete den Kommunikationsprozess als einen einseitigen Prozess. Er war davon überzeugt, dass die Nachricht des Senders, egal über welchen Kanal sie vermittelt wird, immer mit der richtigen Deutung beim Empfänger ankommt.
Doch sein Modell lässt jedoch eine Mehrstufigkeit innerhalb der Kommunikation zu, die erst nach seinem Tod zum Ausdruck gelang.

Die Folgen Stufen des Lasswell Modells wurden in der Kommunikationswissenschaft für bestimmte Forschungsgebiete abgegrenzt.
in der Wer-sagt-Stufe beschäftigt man sich damit, wer der Sender ist. Deshalb wird diese Stufe auch als Kommunikatorstufe oder Senderstufe bezeichnet. Hierbei betrachtet man die Stellung und die Stimmung im Bezug auf den Gesprächspartner.
die Untersuchung der Was-Stufe oder Nachrichten-Stufe beschäftigt sich mit der Aussage. Sie wird auf Art, Form (verbale Kommunikationsmittel), Inhalt und untersucht.
In-welchem-Kanal-Stufe wird die Art der Übermittlung betrachtet. Ob die Nachricht als Schrift, oder über Schallwellen erfolgt.
die Zu-Wem-Stufe oder Empfänger-Stufe untersucht die Person des Empfängers. Sein Gemütszustand und alle äußeren Einflüsse, die ihm bei der Deutung der Nachricht beeinflussen.
in der letzten Stufe, der Mit-welchem-Effekt-Stufe oder Wirkungsstufe betrachtet man die Auswirkung vom Zusammenspiel aller Faktoren der vorigen Stufen.

Auf Grundlage Lasswells entwickelte man ein gestuftes Entscheidungsmodell, da keine Medienwirkung eintreten kann, wenn dich attention (Aufmerksamkeit), interest (Interesse), decision (Entscheidung) und action (Handeln) gegeben sind.

Abbildung zur Lasswell- Formel
(mit Bezug auf die zuständigen Forschungsabteilungen)

2.4.3. Beispiele zur Lasswell-Formel

Allgemeine Situation:
Sender: männlicher Jugendlicher
Empfänger: weibliche Jugendliche

1. Variante

Nachricht: „Kommst du nachher mit?“
Kanal: Sprache

Tonlage des Senders: ruhig
Mimik des Senders: freundlich, offen
Gestik: stabil, nicht ablehnend
Beziehung zum Empfänger: freundschaftlich

Stimmung des Empfängers: neutral
Aufmerksamkeit des Empfängers: 100 %
Interesse: 100 %
Entscheidung: „Ja ich komme nachher mit.“
Handlung: Antwort mit einem Lächeln unterstrichen

Wirkung: Die gesendete Nachricht kommt mit exakt derselben Deutung beim Empfänger an, wie sie vom Sender gemeint war. Dies wäre die perfekte Kommunikation. Da Empfänger und Sender auf einander abgestimmt sind.

Da dies jedoch relativ selten der Fall ist, kann eine Kommunikation auch anders verlaufen.

2. Variante

Nachricht: „Kommst du nachher mit!“
Kanal: Schrift

Art der Schrift: Computerschrift, fett gedruckt und alle Buchstaben groß geschrieben
Stimmung des Senders: neutral
Beziehung zum Empfänger: freundschaftlich

Stimmung des Empfänger: gereizt
Aufmerksamkeit: eher nicht vorhanden
Interesse: keins vorhanden
Handlung: schreibt erst nicht zurück, auf weiteres Nachfragen des Senders folgende Antwort (Entscheidung)
“Wieso fragst du? Hast du mich schon irgendwo mit eingeplant? Wenn ja, vergiss es! Ich habe etwas Besseres zu tun!“

Wirkung: Der Sender und der Empfänger könnten sich nun weiter in ihre miss verstandenen Aussagen streiten und hineinsteigern. Die Nachricht wird auf keiner der Seiten, zu diesem Zeitpunkt, im exakten Sinne übermittelt. Die Kommunikation schlägt fehl.

2.5. Zwischenfazit

Die Kommunikation ist ein schwieriger Prozess. In den Beispielen sind die beiden Extreme dargestellt. Wenn der Sender und der Empfänger auf einander abgestimmt sind und es keine äußeren Einflüsse gibt, die die Deutung der Nachricht verfälschen, so kann man von einer perfekten Kommunikation sprechen. Im zweiten Beispiel jedoch schlägt die Kommunikation komplett fehl. Durch äußere Einflüsse auf beiden Seiten werden die Nachrichten immer wieder falsch gedeutet. Sollte sich keine der beiden Seiten in die Lage des Anderen versetzen, oder keinen Schlichtungsversuch unternehmen, kann es passieren, dass beide Seiten sich in dieses Problem der Kommunikation hineinsteigern. Dieses Problem kann erst gelöst werden, wenn sich die Einstellung gegenüber der anderen Seite verändert. Bei schlimmen Fällen ist meist die Hilfe eines Dritten von Nöten.

An Hand der Lasswell- Formel lässt sich die Kommunikation nur teilweise erklären, da viele Faktoren nicht berücksichtigt werden können. Die Lasswell- Formel bezieht sich nur auf die äußeren Faktoren, d.h. alles was ein Außenstehender auch von der Kommunikation mitbekommen könnte. Allerdings spielen viele innere Faktoren auch eine sehr wichtige Rolle für den Ausgang einer Kommunikation.

2.6. Kommunikationsmodelle nach Schulz-von-Thun

2.6.1. Schulz van Thun

Friedmann Schulz von Thun ist am 6. August 1944 in Soltau geboren. Heute ist er ein bekannter deutscher Psychologe.

Als Trainer des Schachvereins an den Gelehrtenschulen des Johanneums in Hamburg beschäftigte er sich schon früh mit psychologischen Fragen. Er entwickelte die Methode des „Laut Denkens“. 1967 bis 1971 studierte er Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Hamburg. Direkt nach seiner Habilitation wurde er in Hamburg Universitätsprofessor.

Mit dem Ziel ein partnerschaftliches Miteinander zwischen zwei Parteien zu schaffen gab er ab 1971 Trainingskurse für Lehrer und Führungskräfte. Ebenfalls in den 1970er entstand das von ihm stammende „Kommunikationsquadrat“, welches aus humanistischen uns systematischen Richtungen und seinen Kurserfahrungen entstand. Weitergehend ist von Thun Autor des bekannten drei bändigen Werkes „Miteinander reden“

Thuns aktuellstes Projekt war die Gründung des von Thun- Institut für Kommunikation im Jahr 2007.

Islam

Inhalt:

1.Einleitung
2.Gründung und Entwicklung
3.Verbreitung
4.Gruppierungen
1.Schiiten
2.Sunniten
3.Charidschiten
5.Religiöse Literatur
6.Die Pflichten eines gläubigen Muslim
7.Institutionen
8.Quellenangabe

1. Einleitung:

Der Islam ist die jüngste Weltreligion. Das Wort Islam bedeutet „Hingebung an Gott1“. Diese kennzeichnet daher auch den frommen Muslim.
Der islamische Staat basiert auf der Scharia2, welche wiederum auf dem Koran basiert. Weiterhin ist eine sehr enge Verbindung zwischen Religion und Politik kennzeichnend. Alle Bereiche des Lebens müssen sich dem Geiste des Islam ausrichten. Politiker sollten sich durch Frömmigkeit und Sachkunde ausweisen.

2. Gründung und Entwicklung

Der Gründer des Islam war Mohammed. Er wurde um 570 n. Chr. in der Stadt Mekka geboren. Da er schon früh seine Eltern verloren hatte, wuchs er erst bei seinem Großvater, dann bei seinem Onkel auf. Beide waren Kaufleute, wodurch auch Mohammed, trotz fehlender Schulbildung, Händler wurde. Da er durch diesen Beruf viele Reisen unternahm, erwarb er sich umfassende Kenntnisse die beiden Schriftreligionen betreffend. Später heiratete er die um 15 Jahre ältere reiche Kaufmannswitwe Khadidscha. Schon während dieser Zeit begann Mohammed sich regelmäßig auf einen Berg in der Nähe Mekkas zurückzuziehen. Dort empfing er auch, dem Glauben der Muslime zufolge, im Alter von 40 Jahren, also um 610 n. Chr. durch den von Gott geschickten Engel Gabriel3 die erste Sure des Koran:
Rezitiere im Namen deines Herrn, der schuf
Der den Menschen schuf aus einem Blutstropfen,
Rezitiere bei diesem Herrn, dem Hochgeehrten,
Der mit dem Schreibrohr lehrte,
Den Menschen lehrte, was er nicht wusste.
(Koran, Sure 96)

Mohammed hatte von diesem Zeitpunkt an bis zu seinem 63. Lebensjahr noch weitere Offenbarungen und fühlte sich als Prophet berufen, den einzigen Gott gegen die Vielfalt der arabischen Stammesgötter zu verkünden.
Bereits lange Zeit vor Mohammed war Mekka ein blühender Umschlagplatz an der alten Gewürzstraße von Indien nach Syrien, ein religiöses Zentrum. Die zahlreichen Heiligtümer, vor allem die berühmte Kaaba4 , zogen Pilger aus dem gesamten mittelarabischen Raum an; die Wallfahrtsfeste der unterschiedlichen polytheistischen Kulte waren für die Kaufleute der Stadt ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor.
Ab 612 verkündet Mohammed die ihm in Visionen zuteil gewordenen Offenbarungen. Der Prophet warnt in seinen Predigten die Mekkaner vor der nahen Apokalypse und ruft sie zur Umkehr und Hinwendung zu Gott als den einen, einzigen Schöpfer und Richter der Menschen auf.
Mohammed sieht sich nicht als Religionsstifter, sondern als letzter Prophet der die alte Botschaft – von allen Irrtümern gereinigt – wieder zur Geltung bringt. Ihm sei es aufgetragen aller Welt von dem einen Gott zu vermitteln.
In Mekka findet seine Botschaft wenig Anklang. Die Kaufleute sehen ihre wirtschaftliche Basis bedroht, als Mohammed die Götzen und die Kaaba-Zeremonien kritisiert und die traditionelle Sozialordnung in Frage stellt. Als die Situation für ihn lebensgefährlich wird, zieht er sich mit seinen Anhängern nach Yathrib5zurück. Diese Auswanderung im Jahre 622 n. Chr. wird als „Hidschra“ bezeichnet und ist der Beginn der arabischen Zeitrechnung: des Mondkalenders.
In Medina gelang es Mohammed schnell, sich durchzusetzen und das Ideal einer muslimischen Gesellschaftsordnung6 zu etablieren, in der Religion, Staat und Gesellschaft eine Einheit waren.
630 n. Chr. zog der Prophet nach wechselvollen Auseinandersetzungen mit den Mekkanern siegreich in Mekka ein. Die Götzenbilder und heidnischen Bilder in und um Mekka wurden zerstört, die Kaaba als islamisches Zentralheiligtum anerkannt.
In den nächsten zwei Jahren festigte sich Mohammeds religiöse und politische Stellung in Arabien so deutlich, dass bei seinem Tod im Jahre 633 n. Chr. fast alle arabischen Stämme der Halbinsel vereinigt waren.

3. Verbreitung

Mit der Unterwerfung der arabischen Stämme schaffte er die militärische und geistige Basis der nach seinem Tode beginnenden Expansion:
Seine Nachfolger7 Abu Bakr, Omar und Osman unterwarfen innerhalb weniger Jahrzehnte den Vorderen Orient von Marokko bis Transoxanien und eroberten im 8. Jh. Spanien. Der kurzzeitige Griff über die Pyrenäen scheiterte 732 n. Chr. Die Araber wurden bei Tours und Poitiers von Karl Martell besiegt. Nach dem Niedergang des in Teilstaaten zerfallenen Kalifenreiches begann im 10. Jh. die Islamisierung der Türken, im 11. Jh. die muslimische Herrschaft in Indien. Durch die Einnahme Konstantinopels 1453 wurde das Byzantinische Reich vernichtet. Dies trug den Islam über den Balkan weit nach Europa.
Die Kämpfe der Muslime gegen nichtislamische Gebiete werden auch „Heiliger Krieg8“ genannt. Das Ziel ist die Verteidigung und Ausdehnung der islamischen Herrschaft. Diese Eroberungspolitik wird durch den Koran unterstützt, denn Mohammed hatte den Wunsch, sein Gotteswort gen Norden zu tragen.
Der Islam ist heute die herrschende Religion im Vorderen Orient, Pakistan, Irak, Iran, Nord-Afrika und Indonesien.
In vielen Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist der Islam
Staatsreligion.

4. Gruppierungen

1.Schiiten:

Sie ist die kleinere Hauptgruppe des Islam. Sie erkennen im Unterschied zu den Sunniten die Schia Partei des 4. Kalifen Ali Abn Abi Talib und dessen Nachkommen als rechtmäßige Führer an. Man unterscheidet die Ismailiten (Siebenter Schiiten), die Zaiditen (Fünfter Schiiten) und die Imamiten (Zwölfter Schiiten). Sie bilden in den ehemals persischen Gebieten Asiens die Mehrheit.

2.Sunniten:

Der Unterschied zu den Schiiten besteht darin, dass sie Mohammed als rechtmäßigen Propheten und die ersten drei Kalifen anerkennen. Sie bilden mit einem Anteil von ca. 90% die Mehrheit der Muslime.

3.Charidschiten

Sie sind die Anhänger der ältesten islamischen Sekte, die heute noch immer in Nord-Afrika und im Oman verbreitet ist.

Es gibt noch viele weitere islamische Gruppierungen. Auch Fundamentalisten könnte man als eine solche bezeichnen. Für sie ist die ursprüngliche und reine Religion die Grundlage ihres Lebens. Sie fordern die wörtliche Befolgung der Vorschriften des Korans. Weiterhin setzen sie sich für einen islamischen Staat ein, in dem die Scharia als ihre Grundlage gilt. Die Anwendung der in der Scharia vorgesehenen Körperstrafen, wie beispielsweise die Besteinigung bei Ehebruch, soll die Islamität des Gemeinwesens symbolisieren. Der gegenwärtige islamische Fundamentalist begreift den Islam als geschlossenes System von Lösungen für alle Lebensfragen, wobei die westliche Welt als materialistisch und zerstörerisch empfunden wird.

5. Die religiöse Literatur

Nicht eine Person, sondern ein Buch ist der Eckpfeiler des Islam: der Koran9. Er enthält nach islamischer Tradition die Offenbarungen Mohammeds durch den Engel Gabriel. Der Koran gilt als göttliche Botschaft, die auch im Himmel verewigt ist. Darum gilt der Koran als ewig gültiges, noch vor der Erschaffung der Welt aufgeschriebenes Gotteswort.
Die 114 Suren10 sind in melodischer Prosa verfasst. Die Suren sind nach Länge geordnet – die längeren stehen am Anfang und befassen sich mit schwierigen Rechtsfragen und biblischen Traditionen, wobei die kürzeren am Ende des Werkes sich mit dem arabischen Polytheismus und dem Jüngsten Gericht beschäftigen. Eine Ausnahme ist die Eröffnungssure11 , welche trotz ihrer Kürze den Anfang bildet.
Als weitere Erkenntnisquelle neben dem Koran dienen die viele Bücher umfassenden Hadithe, bzw. die Sunna, das überlieferte Gewohnheitsrecht. Es regelt alle im Koran nicht geklärten Fragen, indem sich die Sunna am Handeln Mohammeds orientiert.
Das dritte bedeutende Buch ist die Scharia.

6. Die 5 Säulen des Islam

1.Das Glaubensbekenntnis12: „ Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt, außer Allah und ich bezeuge, dass Mohammed sein Prophet ist.“
Es wird in arabischer Sprache ausgesprochen. Bevor dies geschieht, muss durch eine rituelle Waschung13 die Reinheit erreicht werden. Durch das Glaubensbekenntnis konvertiert man zum Islam. Allerdings muss sich der Muslim vor jedem Gebet waschen und daraufhin das Glaubensbekenntnis aussprechen. Auch beim Gebet wird es mehrmals rezitiert.
2.Das Pflichtgebet14: Sobald der Muslim die Volljährigkeit – beim Jungen durch die erste Ejakulation, beim Mädchen nach der ersten Periode – erreicht hat, ist er verpflichtet fünfmal am Tag zu beten. Frauen ist es während der Menstruation nicht erlaubt zu beten, da die Verschmutzung durch Blut zu Unreinheit führt, was während der Monatsblutung ein dauerhafter Zustand ist.
Der Muslim wird durch den Muezzin bei Sonnenaufgang, am Vormittag, am Mittag, am Nachmittag und am Abend zum Gebet gerufen. Am Freitag ist es den männlichen Muslime eine Pflicht in der Moschee zu beten, an den anderen Wochentagen ist ihnen, wie den Frauen die Lokalität für das Gebet freigestellt. Allerdings hat der Muslim seinen Kopf beim Gebet stets Richtung Mekka15 zu richten.
3.Die Almosensteuer16: Die Verpflichtung mindestens 2% seines Besitzes als Almosen an die Moschee zu richten, hat sich schon zu Zeiten Mohammeds in eine Steuer verwandelt.
4.Das Fasten 17: Der Muslim ist verpflichtet, im Monat Ramadan zu fasten. Er darf zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang nicht essen, trinken, rauchen und sich dem Ehepartner sexuell nähern. Er sollte Streit vermeiden und gute Taten verrichten.
5.Die Pilgerfahrt 18: Wenn es seine finanzielle Lage erlaubt, ist jeder Muslim verpflichtet, wenigstens einmal in seinem Leben die Pilgerfahrt nach Mekka zu verrichten. Dazu reisen mehrere Millionen Muslime einmal im Jahr in die Herkunftsstadt ihres Propheten und vollziehen zahlreiche religiöse Bräuche.
Wer diese Reise hinter sich hat, darf den Namen „Hajji“ tragen.

7. Institutionen

Die Moschee ist der Versammlungsort der Gläubigen. Bestandteile der Moschee sind der ummauerte Hofbrunnen für die rituellen Waschungen. Einen überdachten Gebetssaal mit Schrein, welcher die Gebetsrichtung anzeigt, gibt es ebenso, wie ein oder mehrere Minarette, von welcher aus der Muezzin zum Gebet ruft. Außerdem sind eine Estrade für den Vorbeter19 und ein abgesonderter Raum für die Frauen zu finden.
Die berühmtesten Moscheen sind jene in Mekka, um die Kaaba herumgebaut, sowie die
al-aqsa-moschee in Jerusalem, wo Mohammed seine Fahrt in den Himmel angetreten haben soll.
Außerdem ist sie die älteste, noch stehende Moschee der Welt.

8. Quellenangabe

„25 Fragen zum Propheten Muhammad“
Cordoba-Verlag
„Der Islam“ von Martin Hartmann
Reprint Verlag Leipzig
Der Koran

weitere Informationsquellen:
German media watch – wir wehren uns gegen falsche und vertzerrte Berichterstattung im Blick auf Israel sowie jegliches Aufkeimen von Antisemitismus.

1 im Arabischen: „Allah“
2 wörtl.: „der leicht begehbare Weg zur Quelle“; das islamische Gesetz, welches auf
Offenbarung beruht
3 im Arabischen: „Ghibril“
4 kubusförmiges Heiligtum in Mekka, das nach Überlieferung von Abraham und seinem Sohn
Ismail erbaut wurde
5 das heutige Medina
6 im Arabischen: „umma“
7 Kalifen
8 im Arabischen: „Dschihad“
9 wörtl.: „die Lesung“
10 wörtl.: „die Abschnitte“
11 im Arabischen: „al-fatiha“
12 im Arabischen: „shahada“
13 im Arabischen: „wudu“
14 im Arabischen: „al-salad“
15 im Arabischen: „qibla“
16 im Arabischen: „zakat“
17 im Arabischen: „sa´um“
18 im Arabischen: „hajj“
19 im Arabischen: „imam“

Stammzellen & -Stammzellenforschung

1.0 Einleitung: Die Geschichte der Stammzellforschung
Als amerikanische Forscher im Jahr 1963 erstmals Stammzellen im Knochenmark von Mäusen entdecken, ahnt wahrscheinlich noch niemand, wie schnell sich die Stammzellenforschung entwickeln und welche Bedeutung sie für die Behandlung bisher unheilbarer Krankheiten haben würde.
Schon seit den siebziger Jahren werden Leukämiepatienten Stammzellen aus dem Knochenmark zur unterstützenden Blutbildung transplantiert. 1981 gelingt es, embryonale Stammzellen von Mäusen im Labor zu kultivieren, was den Forschern viele neue Möglichkeiten für Studien und Untersuchungen eröffnet. Nachdem ein Jahr später festgestellt wird, dass Nabelschnurblut blutbildende Stammzellen enthält, können Wissenschaftler in Frankreich dieses im Jahr 1988 einem Fanconi-Anämie Patienten transplantieren, um die für diese genetisch bedingte Krankheit übliche Knochenmarkrückbildung zu stoppen.
Zehn Jahre später entwickelt der amerikanische Zellbiologe James Thomson1 mit seiner Forschungsgruppe eine Technik, embryonale Stammzellen so zu kultivieren, dass sie sich stetig weiter vermehren.
Zu Anfang des neuen Jahrtausends pflanzen schwedische Forscher Gehirnstammzellen von ausgewachsenen Mäusen in anderes Gewebe ein und stellten fest, dass sich Stammzellen unter bestimmten Bedingungen in neuem Umfeld in das umgebende Gewebe umwandeln.
In den letzten Jahren ließen viele Eltern das Nabelschnurblut ihrer neugeborenen Kinder isolieren und einfrieren, um im Falle einer schweren Erkrankung eventuell die Möglichkeit zur direkten Behandlung zu haben. Bisher wurde bei über zweitausend Menschen Nabelschnurblut transplantiert – ein Viertel waren erwachsene Patienten.
Kritiker bemängeln aber vor allem kommerzielle Nabelschnurbanken, da sie den Patienten oft medizinische Wunder versprächen, so die Ethik-Beratergruppe der EU-Kommission: “Sie verkaufen eine Dienstleistung, die derzeit keinen realen Nutzen im Bezug auf therapeutische Möglichkeiten hat.” (www.wdr.de,1)
Forscher erhoffen sich, durch embryonale Stammzellen bald Krankheiten wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Krebs heilen zu können. Außerdem vermuten sie, zukünftlich mit ihnen ganze Organe zur Transplantation züchten zu können.
Die Gewinnung embryonaler Stammzellen ist jedoch insgesamt sehr umstritten. Bei der Entnahme der Stammzellen werden die Embryonen zerstört und somit instrumentalisiert.

2.0 Was sind Stammzellen?
Stammzellen sind die Basis- oder auch Ursprungszellen des Körpers. Sie sind noch undifferenziert und versorgen den Organismus, in dem sie sich befinden entweder mit weiteren Stammzellen oder mit bereits ausdifferenzierten Zellen.
Die Produktion von neuen Stammzellen geschieht durch den ganz normalen Ablauf der Proliferation; das heißt, dass sich die Zelle in zwei Tochterzellen mit den selben spezifischen Stammzelleneigenschaften teilt, weshalb man diesen Vorgang symmetrisch nennt.
Die differenzierte Zellteilung ist jedoch ein asymmetrischer Vorgang: Die Ursprungszelle teilt sich in eine normale Tochterstammzelle und in eine ausdifferenzierte Zelle. Durch diesen Prozess können sich Stammzellen also selber erhalten und gleichzeitig spezifische Gewebezellen hervorbringen.

2.1 Embryonale Stammzellen
Nach der erfolgreichen Befruchtung einer Eizelle entwickeln sich sogenannte totipotente Stammzellen. Diese Zellen sind in der Lage, sich in jede der über zweihundert verschiedenen menschlichen Gewebearten zu entwickeln, sie können jedoch auch zu einem ganz neuen, eigenständigen Organismus ausreifen. Diese Fähigkeit verlieren sie relativ schnell wieder – schon nach der dritten Zellteilung, also nach dem Acht-Zellen-Stadium sind Stammzellen pluripotent.
Pluripotente Stammzellen sind nicht mehr in der Lage, einen neuen Organismus zu bilden, können sich aber, wie die totipotenten Stammzellen auch, in die verschieden menschlichen Gewebetypen ausdifferenzieren. Im weiteren Verlauf der Embryonalentwicklung differenzieren sie sich nämlich in die drei Keimblätter, ebenso wie in Zellen der Keimbahn des Embryoblasten2. Diese Fähigkeit der pluripotenten Stammzellen macht diese besonders für die Medizin interessant, da sich Forscher erhoffen, die Stammzellen zur Zellersatztherapie, zum Beispiel bei Herzinfarkt- und Diabetespatienten zu benutzen.

2.2 Die Gewinnung embryonaler Stammzellen
Es gibt verschiedene Wege, embryonale Stammzellen zu gewinnen.
Zum Einen können sie aus sogenannten überzähligen Embryonen, also nicht mehr benötigten Embryonen einer In-Vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung einer Eizelle im Labor, siehe auch Bild 01), Anhang) gewonnen werden. Die eingefrorenen überzähligen Embryonen werden aufgetaut und im Labor etwa vier Tage lang herangezogen. Anschließend entfernen Forscher die äußere Hülle des Blastozyten und können die pluripotenten Stammzellen entnehmen.
Eine andere Möglichkeit ist die Gewinnung von primordialen Keimzellen, die nach einer Abtreibung eines fünf bis neun Wochen alten Embryonen isoliert werden. Diese Vorläufer der Keimzellen sind in der Lage, sich im Labor wie Stammzellen zu verschiedenen Gewebetypen zu entwickeln.
Die Dritte Art der Gewinnung embryonaler Stammzellen liegt im sogenannten therapeutischen Klonen. Klonen bedeutet, dass eine genetisch identische Kopie eines Lebewesens künstlich durch Fortpflanzungstechniken hergestellt wird. Beim therapeutischen Klonen wird der Kern einer künstlich befruchteten Eizelle entnommen und durch den Zellkern einer Körperzelle des zu klonenden Organismus ersetzt. So entsteht eine Zelle, die sich wie ein normaler Embryo weiter entwickeln kann. Anders als beim reproduktiven Klonen entwickeln sich die Embryonen nicht zu vollständigen Organismen, sondern werden bei der Entnahme der Stammzellen zerstört.

2.3 Adulte Stammzellen
Auch im Erwachsenenalter besitzt der Mensch noch Stammzellen, die deshalb adulte Stammzellen genannt werden. Sie wurden bislang in 20 Organen, wie zum Beispiel im Blut, im Gehirn, im Knochenmark und im Nabelschnurblut von Neugeborenen gefunden. Sie dienen diesen Organen zur Produktion von Ersatzzellen und sind dort ein ganzes Leben enthalten. Im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen haben adulte Stammzellen ein geringeres Differenzierungspotenzial – sie können, bislang angenommen, nur das spezifische Gewebe in dem sie sich befinden ausbilden, weshalb man sie auch multipotent nennt. Außerdem ist ihre Vermehrbarkeit und ihre Lebensdauer begrenzt.
Forschern gelang es jedoch in Tierversuchen, Stammzellen des Knochenmarks, die für die Blutbildung verantwortlich sind, zu Nervenzellen zu entwickeln. Der Prozess und die Bedingungen dieser Umprogrammierung werden derzeit verstärkt erforscht, da sich die Wissenschaftler aus diesen umprogrammierten adulten Stammzellen eine Therapiealternative zu den embryonalen Stammzellen erhoffen.
Die Gewinnung von adulten Stammzellen ist im Vergleich zur Isolation embryonaler Stammzellen wesentlich einfacher. Sie geschieht zum Beispiel durch eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen oder auch mittels der Stammzellapherese3. Stammzellen aus der Haut werden mittels einer Hautbiopsie bei örtlicher Betäubung gewonnen.
Mittlerweile wurden durch die Transplantation von adulten Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem Nabelschnurblut schon mehrere Herzinfarkt- und Leukämiepatienten erfolgreich behandelt.

2.4 Stammzellen im Nabelschnurblut
Während der Embryonalentwicklung befinden sich die Stammzellen in vielen verschiedenen Organen. In den letzten Schwangerschaftswochen wandern sie jedoch verstärkt ins Knochenmark. Dies geschieht über den Blutkreislauf, weshalb sich also auch Stammzellen im Nabelschnurblut und in der Plazenta befinden. Der Vorteil von Stammzellen aus Nabelschnurblut ist, dass sie noch flexibler als andere adulte Stammzellen sind – sie sind noch pluripotent.
Die Entnahme von Nabelschnurblut muss direkt nach der Geburt des Kindes geschehen, da sich die Stammzellen dann noch schneller ins Knochenmark zurückziehen und dort zu multipotenten Stammzellen heranreifen. Nach der Entnahme der Zellen werden sie im Labor kältekonserviert und bei Bedarf wieder aufgetaut.
Die Therapie mit Nabelschnurblutstammzellen ist deshalb vorteilhaft, da sie sich ideal für Anwendungen in der regenerativen Medizin eignen, denn aus körpereigenen Stammzellen gewachsenes Gewebe wird vom Immunsystem nicht abgestoßen. Außerdem sollen sie in der Regel tumorzellfrei und durch den besonderen Schutz im Mutterleib meistens auch virenfrei sein. Zusätzlich ist ihre Gewinnung ethisch unbedenklich, da kein lebendes Wesen zerstört wird. (vgl. Informationsheft Vita 34)

3.0 Vergleich der deutschen und australischen Gesetze zur Stammzellforschung
3.1 Gesetzeslage in Deutschland
In Deutschland gilt das Embryonenschutzgesetz vom 1. Januar 1991, das grundsätzlich die Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen verbietet. Weiterhin dürfen keine Embryonen zu Forschungszwecken in Deutschland erzeug werden. Dieses Gesetz bezieht sich auf alle Stammzellen, egal ob toti- oder pluripotent und auch auf überzählige Embryonen.
Das Gesetz beruht auf Artikel 1,1 des Deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Da ein Embryo, 24 Stunden nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, gesetzlich schon als Mensch gilt, fällt er unter diesen Schutz.
Allerdings gibt es einige Ausnahmen durch das am 28. Juni 2002 verabschiedete Stammzellgesetz: Die Einfuhr von nicht-totipotenten embryonalen Stammzellen nach Deutschland wird dann genehmigt, wenn die Stammzellen in dem Herkunftsland rechtmäßig vor dem 01.01.2002 gewonnen und in Kultur gehalten oder kryokonserviert4 gelagert werden. Die Embryonen müssen im Vorfeld nach einer In-Vitro-Fertilisation nicht mehr zum Einsatz gekommen sein und von der Mutter völlig freiwillig, ohne Versprechung eines Endgelds für die Stammzellentnahme überlassen worden sein.
Weiterhin ist die Forschung an diesen Stammzellen in Deutschland erlaubt, wenn sie „hochrangigen Forschungszielen für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn im Rahmen der Grundlagenforschung oder für die Erweiterung medizinischer Kenntnisse bei der Entwicklung diagnostischer, präventiver oder therapeutischer Verfahren zur Anwendungen bei Menschen dien[t]“ (www.bmbf.de, Stammzellgesetz, §5,1) und „soweit wie möglich in In-Vitro-Modellen mit tierischen Zellen oder in Tierversuchen vorgeklärt“ (www.bmbf.de, Stammzellgesetz, §5,2) wurde.

3.2 Die Australische Gesetzeslage
Vor dem Jahr 2002 war in Australien die Forschung mit embryonalen Stammzellen nur erlaubt, wenn es sich um Stammzellen aus überzähligen Embryonen handelte und die entsprechenden Stammzelllinien vor April 2002 hergestellt wurden. Das therapeutische Klonen war bis dato gänzlich untersagt.
Anfang November 2006 wurde dieses Gesetz dann aufgehoben und mit seiner Aufhebung sind jetzt auch das therapeutische Klonen und die Herstellung von Embryonen zur Stammzellentnahme erlaubt.
Die australische Regierung erhofft sich von der Liberalisierung des Gesetzes neue Methoden zur Behandlung von schweren Krankheiten.
Im Vergleich zum Embryonenschutzgesetz in Deutschland lässt die australische Gesetzeslage momentan sehr viel Forschungsfreiraum, was besonders von der australischen Kirche heftig kritisiert wird. Kardinal George Pell , Erzbischof von Sydney spricht von einem Dammbruch und fordert das ausdrückliche Verbot von Forschung an embryonalen Stammzellen. Er weist außerdem auf adulte Stammzellen als Alternative hin. (vgl. www.aerzteblatt-studieren.de)
Doch die australische Regierung macht auch Einschränkungen. So dürfen geklonte Embryonen nicht importiert werden und müssen zwei Wochen nach ihrer Entstehung wieder zerstört werden. Ein Verstoß gegen diesen Beschluss kann mit bis zu 15 jähriger Haft bestraft werden.

4.0 Die ethische Diskussion
Die ethische Beurteilung einer Handlung erfolgt durch die Überprüfung der Vertretbarkeit einerseits der Mittel, die für die Erlangung der Ziele einer Handlung aufgebracht werden und andererseits der Ziele selbst.
Die Ziele der Forschung mit embryonalen Stammzellen, die vor allem die therapeutische Forschung betreffen, sind weithin anerkannt und akzeptiert. Deshalb wird meistens über die verwendeten Mittel, die zur Zielerreichung eingesetzt werden müssen, diskutiert.
Die Kernfrage der ethischen Diskussion besteht zuerst in dem Problem der Festlegung, wann ein Embryo ein Mensch ist und somit unter besonderen Schutz steht.
In dieser Auseinandersetzung gibt es zwei grundsätzliche Positionen. Die Ersten sprechen dem Embryo direkt nach der Kernverschmelzung den selben Schutz zu, den auch ein bereits geborener Mensch genießt. Die Fürsprecher dieser Position berufen sich also auf das Potenzial des Embryos, später ein selbstbestimmtes Subjekt zu werden. Ein Embryo entwickle sich so kontinuierlich, dass nur ab dem Moment der Kernverschmelzung eindeutig festgemacht werden könne, dass es sich um einen schutzwürdigen Menschen handle – alle anderen Angaben seien willkürlich. Für diese Argumentation darf also ein Embryo niemals instrumentalisiert werden, egal wie weit seine Entwicklung vorangeschritten ist.
Ein bedeutender Vertreter dieser Grundposition ist die Kirche. Demnach ist es für sie ethisch unvertretbar, Embryonen, also potenzielle Subjekte, zu töten. Die Kirche lehnt die Stammzellforschung grundsätzlich ab, sie fordert einen größeren Forschungsanteil an adulten Stammzellen, deren medizinische Verwendung ethisch unbedenklich sei. Auch Deutschland beruft sich auf diese Position – sie liegt dem Embryonenschutzgesetz zu Grunde.
Die zweite Grundposition sieht den Embryo erst ab einem bestimmten Entwicklungsstadium als voll schutzwürdigen Menschen an, wobei ihm vor dem Erreichen dieser Entwicklungsstufe nur eine gemäßigte Schutzwürdigkeit anerkannt wird.
Viele sehen die Einnistung der Blastozyste in der Gebärmutter als entscheidende Entwicklungsstufe an, da der Embryo erst dann die Chance hat, sich zu einem eigenständigen Menschen zu entwickeln. Andere sehen aber das Vorhandensein der neuronalen Voraussetzungen als bestimmend an, da der Embryo erst dann Empfindungen wie Schmerz spüren könne und diese Vorraussetzungen verantwortlich für die Fähigkeit zur Interessenbildung seien, was wiederum die Vorraussetzung für einen Anspruch auf Schutz darstelle.
Das erlaubt und gebietet sogar moralisch gesehen die verbrauchende Forschung mit embryonalen Stammzellen, wenn vorher sicher festgestellt wurde, dass es keine Alternativmittel zum Erreichen des jeweiligen Zieles gibt.
Vertreter dieser Einstellung sind vor allem Wissenschaftler und Forscher, die ihre Verantwortlichkeit nicht darin sehen, potenzielles Leben zu schützen, sondern darin, vorhandenes Leben zu retten. Die australische Gesetzeslage basiert auf diesem Grundsatz und gebietet deshalb die Forschung an embryonalen Stammzellen.

5.0 Stellungnahme: Ist es ethisch verantwortbar, verbrauchende embryonale Stammzellforschung zu betreiben?
Um die oben genannte Frage beantworten zu können, muss man sich vorerst sicher darüber werden, was einen schutzwürdigen Menschen ausmacht.
Das Embryonenschutzgesetz in Deutschland besagt, wie schon angesprochen, dass Embryonen schon bei der Kernverschmelzung nach dem Eindringen des Samens in die Eizelle einen Schutzanspruch haben, da sie das Potenzial zum Menschwerden besitzen.
Meiner Meinung nach ist dieses Problem der Festlegung der Schutzwürdigkeit das größte und schwerst zu lösende Problem. Ich bin der Ansicht, dass man nicht von einem schutzwürdigen Subjekt sprechen muss, nur weil es sich um menschliches Gewebe handelt. Trotzdem glaube ich, dass man unmöglich den Beginn eines menschlichen Lebens, dass unter jenem Schutz liegt, festlegen kann, da Leben ein Prozess ist und nicht in Stufen verläuft – auch wenn die Medizin gewisse biologische Entwicklungsstadien feststellen kann.
Das Ziel der verbrauchenden embryonalen Stammzellforschung ist jedoch von herausragender Bedeutung. Natürlich ist die Therapie von schweren Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, auf Grund von relativ wenig praktischen Erfahrungen sehr risikoreich. Gerade deshalb sollte die Forschung mit embryonalen Stammzellen unterstützt werden, da nur so festgestellt werden kann, welches medizinische Potenzial sie wirklich haben. Und zur Bekämpfung von grausamen Krankheiten wie Leukämie oder Multiple Sklerose sollte meiner Meinung nach jede Möglichkeit genutzt werden.
Unter diesen Umständen also finde ich die verbrauchende Stammzellforschung für gerechtfertigt. Allerdings sollten nur möglichst gering entwickelte Embryonen zur Forschung verwendet werden, wobei äußerst kritisch beraten werden muss, welchen Entwicklungszeitpunkt man als gesetzliche Grenze gebrauchen wird. In jedem Fall muss sie, meiner Ansicht nach, vor der neuronalen Entwicklung festgelegt werden, da hier die Vorraussetzungen zu Empfindungen gesetzt sind.
Das therapeutische Klonen halte ich ethisch für äußerst bedenklich, da hier menschliches Leben nicht nur beendet und verhindert wird, sondern im Vorfeld schon enorm auf den Embryo eingewirkt wird. Die Ziele des Klonens sind allerdings nach dem heutigen Forschungsstand größtenteils auch mit der Kultivierung ursprünglicher embryonaler Stammzellen zu erreichen. Weiterhin ist es finanziell gesehen lohnenswerter, in die letztere Art der Forschung zu investieren.
Dennoch sollte man sich vor dem ausschweifenden Gebrauch embryonaler Stammzellen im Klaren darüber sein, ob es nicht noch ebenwürdige Alternativen zur Heilung von Krankheiten geben könnte. Eine dieser Alternativen wären vor allem adulte Stammzellen. Forscher fanden heraus, dass sie unter bestimmten Wachstumsfaktoren auch dazu in der Lage sind, sich zu anderen Zellen auszudifferenzieren, als es ihnen ihr Ursprungsort vorgibt. Anschließend ist es in Tierversuchen mehrmals gelungen, diese Zellen zu neuen Organen zu entwickeln. Da bei der Gewinnung von adulten Stammzellen kein Leben beendet oder verhindert wird, ist diese zudem ethisch völlig unbedenklich. Deshalb sollte der Hauptanteil der Forschung auf dem Gebiet der adulten Stammzellen liegen – erst wenn sie als Ersatzmöglichkeit für embryonale Stammzellen ausgeschlossen werden können, sollten sich meiner Meinung nach Forscher verstärkt und hauptsächlich um die Erforschung von embryonalen Stammzellen und später eben auch um die Therapie bemühen.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass meiner Meinung nach die Forschung mit embryonalen Stammzellen ethisch gerechtfertigt und sogar geboten wird, wenn Alternativen wie adulte Stammzellen ausgeschlossen werden können.

6.0 Schlusswort
Die Arbeit an dieser Facharbeit hat meinen persönlichen Horizont wesentlich erweitert. Um sich seine eigene Meinung zur ethischen Diskussion bilden zu können, muss man sich intensiv mit beiden Grundpositionen beschäftigen, wobei ich mich selbst vor allem im Punkte der Festlegung der Schutzwürdigkeit eines menschlichen Wesens nicht festlegen konnte. Ich konnte beide Argumentationen gut nachvollziehen – dass ich mich im Vorfeld nicht auf eine bestimmte Position festgelegt habe, ehrlich gesagt sogar keine feste Meinung zu diesem Thema hatte, erleichterte mir das Verständnis.
Weiterhin hätte ich mich gerne noch mit den therapeutischen Erfolgen aber auch Misserfolgen der Stammzellforschung beschäftigt. Auch der kurze Einblick über die zu behandelnden Krankheiten war sehr interessant für mich, da ich mir auch für meine Zukunft vorstellen könnte, einen medizin Anhang – Quellenangaben, Texterläuterungen, Bildmaterial
I) Quellenangaben
I.I) Internetquellen
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?hl=x&docid=104479 (= www.aerzteblatt-studieren.de) (25.01.07)
http://www.bmbf.de/pub/stammzellgesetz.pdf (= bmbf.de) (25.01.07)
http://de.wikipedia.org/wiki/James_Thomson_%28Zellbiologe%29 (02.02.07)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stammzelle (23.01.07)
http://www.dialog-gentechnik.at/?id=10011753 (25.01.07)
http://www.drze.de/themen/blickpunkt/therap_klonen (18.01.07)
http://www.emabonn.de/stammzellen/Stammzell-Seite%20Gruppe1.htm (25.01.07)
http://www.ethikrat.org/themen/stammzellforschung.html (18.01.07)
http://www.gesundheit.com/gc_detail_11_gc02010316.html (25.01.07)
http://www.katholische-kirche.de/2315_19022.htm (25.01.07)
http://www.knochenmarkspende-west.de/lexikon/lexikon.php#periphere_blutstammzellentnahme (02.02.07)
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/jahrbuch/2004/mole_zellbiologie_genetik/forschungsSchwerpunkt1/pdf.pdf (23.01.07)
http://www.netdoktor.de/ratschlaege/fakten/stammzellen.htm (25.01.07)
http://www.stammzellen.nrw.de/de/blickpunkt.php#teil_2 (18.01.07)
http://www.wdr.de/online/news/gentechnik/index.phtml#f3 (25.01.07)
http://www.wdr.de/online/news/gentechnik/stammzellen_in_essen.phtml (25.01.07)
http://www.wdr.de/themen/gesundheit/2/nabelschnurblut/index.jhtml (= wdr.de,1) (25.01.07)

I.II) Literaturquellen
Informationsheft “Vita 34 – Ratgeber Nabelschnurblut, Wie Stammzellen Ihrem Kind helfen können“ (über www.vita34.de) (02.02.07)

II) Hochgestellte Ziffern – Erläuterungen
1)James Thomson ist ein angesehener amerikanischer Zellbiologe, Professor an der University of Wisconsin in Madison. Mit seiner 1998 veröffentlichten Studie zur Kultivierung von Stammzelllinien embryonaler Stammzellen setzte er einen Meilenstein der embryonalen Stammzellforschung.
2)Als Embryoblast wird der Teil der Blastozyte bezeichnet, aus dem sich später der Embryo entwickelt.
3)Unter Stammzellapharese versteht man die Gewinnung von blutbildenden Stammzellen direkt aus dem Blut des Spenders. Durch einen bestimmten Wachstumsfaktor können die Stammzellen durch einen maschinellen Zellseperator von den übrigen Blutbestandteilen getrennt werden.
4)Unter Kryokonservierung versteht man das Einfrieren von Zellen in flüssigem Stickstoff.

III) Bildmaterial

01) In-Vitro-Fertilisation – Künstliche Befruchtung im Labor
(http://www.gesch.med.tu-muenchen.de/bilder/stammzelle.jpg)

02) Menschliche Blastozyste
(http://www.spiegel.de/img/0,1020,119079,00.jpg)

03) Entnahme von Nabelschnurblut zur Gewinnung von Stammzellen
(http://www.wdr.de/online/stammzellen/img/nabelschnur_blutentnahme.jpg)

Erklärung über die selbstständige Anfertigung der Arbeit
Hiermit versichere ich, dass ich die Arbeit selbstständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe.
Verwendete Informationen aus dem Internet sind der Lehrerin vollständig im Ausdruck zur Verfügung gestellt worden.

ischen Beruf auszuüben.

Endoplasmatische Reticulum

Jede eukaryotische Zelle besteht aus dem Cytoplasma und dem Kernmaterial. Die Zellen werden nach außen hin durch die Cytoplasmamembran abgeschlossen. Diese Cytoplasmamembran setzt sich nach innen in das Endoplasmatische Reticulum fort.

Das „Endoplasmatisches Reticulum“ heißt übersetzt soviel wie „innerplasmatisches Netzwerk“ und wurde im Jahre 1946 von K.R. Porter entdeckt und erhielt auch von ihm diesen Namen. Das nur unter dem Elektronmikroskop sichtbare Endoplasmatische Reticulum (im folgendem mit ER abgekürzt) ist ein intrazelluläres reich verzweigte Membransystem, das je nach Zelltyp unterschiedlich stark entwickelt ist.
Das ER besteht aus, von Elementarmembranen( Grundtyp zellulärer Membranen) umschlossenen, Hohlräumen. Obwohl es weit verzweigt ist, bildet es ein zusammenhängendes System, welches mehr als 10% des Zellvolumens umfassen kann.

Funktionell und optisch, kann man das ER in zwei unterschiedliche Formen einteilen.

1) glattes Endoplasmatische Reticulum (gER)

Aufbau und Aussehen: Die glatte Form besteht aus Röhrensystemen von 5- 10 nm
Durchmesser, welche oft als Netzwerksystem angesehen wird.

Funktion: Das gER hat vielfältige Funktionen, zum Beispiel ist sie an der Lipid-,
Flavonoid- und Isoprenoidsynthese beteiligt. Die wichtigste Aufgabe
allerdings besteht darin, dass sie die gesättigten Fettsäuren in
ungesättigte Fettsäuren umwandelt.

Vermehrtes Auftreten: Außer in den Sarcoplasma quergestreifter Muskeln, kommt das gER
in Zellen vor, die Lipide (z.B. Talgdrüsen) und Steroidhormone
(Hoden) produzieren.

2) rauhes Endoplasmatische Reticulum (rER)

Aufbau und Aussehen: Die rauhe Form, auch oft als Ergastoplasma bezeichnet, enthält an der
Membranaußenseite Ribosomenrezeptoren, an die die Ribosomen
Andocken, warum es auch oft fälschlicher Weise als feste Verbindung
mit Ribosomen gehalten wird. Ribosomen sind kleine Körnchen mit
dem etwa gleichen Anteil an Eiweiß und RNA.

Funktion: Die Ribosomen, welche sich an den Ribosomenrezeptoren andocken,
sind für die Proteinsynthese in der Zelle verantwortlich. Die
Ribosomen docken an den Rezeptoren an und geben durch die
Membran des rERs ihre Proteine in das Lumen des ER, dort werden
die Polypeptidketten , also die Aminosäuren, zurecht geschnitten und
gefaltet um dann zum Golgi Apparat transportiert zu werden.

Funktion: Desweiteren ist das raue ER für die Membranproduktion
Verantwortlich, das heißt, es lässt seine eigene Membran wachsen und
führt Membranteile in Transportbläschen zu anderen Teilen des
inneren Membransystems.

Vermehrtes Vorkommen: Diese Art des ERs kommt vermehrt in Zellen vor, die eine hohe
Eiweißsynthese haben, wie zum Beispiel den Drüsen- und
Leberzellen.

Hier die allgemeinen Funktionen des ERs: – die Membranen des ERs unterteilen als
Diffusionsbarriere das Cytoplasma in getrennte
Stoffwechselräume

Unterschiedliche Ionenverteilung innerhalb und außerhalb des ER schafft Membranpotentiale und damit die Möglichkeit einer Erregungsleitung in der Zelle.
Die Röhren und Bläschen sind Transportwege für Serumalbumin in Leberzellen, Antikörperglobulin in Plasmazellen, Fett in Darmepithelzellen und Thyroxin in Schilddrüsenzellen

Im groben und ganzen kann man sagen, dass unsere Zellen und somit auch wir, nicht überlebensfähig wären ohne das Endoplasmatische Reticulum.

Quellenangabe: Internet: www.wikipedia.org
www.google.de
Brockhaus Multimedia

Bücher: Cytologie
Biologie Heute
Abitur Box Bio
Schüler Duden Biologie
Wahrig Deutsches Wörterbuch

Zeitungen: Galileo
Spiegel

Sarah Gregor und Lisa Brokmöller

eigene Artikel

Wer hier seinen eigenen Informationsartikel einstellen möchte, kann sich gerne anmelden.
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