Gedanken zum Hochzeitsfest
Eine Hochzeit muss im Gegensatz zur gängigen Meinung nicht teuer sein. Schon der gute alte Goethe, der ja auch als Philosoph in die Geschichte einging, meinte: Unter allen Festen ist das Hochzeitsfest das unschicklichste. Keines sollte mehr in Stille, Demut und Hoffnung begangen werden als dieses.
Eigentlich braucht man zu einer gültigen Eheschließung nur ein Standesamt oder einen Pfarrer, einen Trauzeugen und die Eheringe. Theoretisch könnte man sogar in Arbeitskleidung oder im Bikini heiraten, denn eine Kleidungsvorschrift beim Heiraten gibt es nicht. Warum also wird um eine Eheschließung dann so viel Gewese gemacht und Hunderte oder gar Tausende von Euros für ein Brautkleid, das oftmals nur an die Gardinen aus Omas Wohnstube erinnert, bezahlt, teure Einladungen und Hochzeitskarten bestellt, obwohl ein Anruf auch genügen würde und für die Tischdekoration für die Hochzeit extra ein Designer angeheuert, der mindestens genauso viel kostet wie das ganze Menü.
Heiraten wird immer mehr zu einem Gesellschaftsspiel, bei dem es gar nicht mehr darum geht, den Weg ins Eheleben durch eine schöne Zeremonie und ein würdiges Fest so freudig und unvergesslich wie möglich zu gestalten, sondern seinen Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Kollegen zu zeigen, was man sich alles leisten kann. Dabei ist eine teure Hochzeit überhaupt keine Garantie, dass das Eheglück auch lange anhält. Ganz im Gegenteil hört man oftmals schon ein paar Monate nach der vielumjubelten Traumhochzeit die Scheidungsglocken läuten und die ersten Schüsse im Rosenkrieg knallen. Naja, so kann man dann wenigstens mit einer noch pompöseren Hochzeit versuchen, in einer 2. Ehe glücklicher zu werden.
Klaus Roth
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